Samstag, 19. Juli 2008

Die Governance des hybriden Konzerns / Warum keine Genossenschaft?

Immer wieder werde ich gefragt: "Warum gründet ihr nicht einfach eine Genossenschaft? Ist eine Genossenschaft nicht die demokratischste Form des Wirtschaften? Jede Person hat eine Stimme."

Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn ich etwas tiefer auf die Organisationsstruktur des hypbriden Konzerns eingehe. Wer wirklich eine Antwort will, muss die Arbeit auf sich nehmen, ein neues Modell kennen zu lernen.

Der hybride Konzern soll:
  • Demokratisch fundiert sein
  • Schnell wachsen können
  • Operative Abläufe effizient gestalten
  • Die Ideen vieler Menschen einbeziehen
  • Viele Akteure (Firmen, Organisationen, Einzelpersonen) einbinden
Dazu scheinen uns bestehende juristische Personen (Genossenschaft, Aktiengesellschaft, Stiftung usw.) ungeeignet. Die Genossenschaft zum Beispiel funktioniert sehr gut in einem relativ statischen Umfeld. Vor allem dann, wenn alle GenossenschafterInnen ähnliche Interessen haben, also zum Beispiel alles MitarbeiterInnen einer Kooperative sind. Sobald eine Genossenschaft ganz verschiedene Akteure mit teilweise verschiedenen Interessen einbinden muss, wird sie sehr schwerfällig.

Wir haben uns daher entschiedenen eine neue Organisationsform zu entwickeln. Dieser besteht aus der strukturellen Kopplung von drei autonomen Systemen: Einer Online-Community, einer Stiftung und einer Aktiengesellschaft. Erst diese drei Systeme zusammen ergebenen einen hybriden Konzern. Der "Konzern" selber ist keine juristische Person. Die Beziehung zwischen diesen drei Systemen wird über Verträge geregelt. Diese sind teilweise in den Satzungen von Stiftung und Aktiengesellschaft verankert.

Die Funktionsweise
  • Die Online-Community ist die Ebene auf der alle mitarbeiten, mitgestalten und mitentscheiden können.
  • Die Aktiengesellschaft übernimmt das operative Geschäft und besitzt hierin eine gewisse Autonomie
  • Die Stiftung garantiert die Grundwerte und ist Besitzerin der Vermögenswerte
Wer mehr wissen will:
Die Organisationsform des hypbriden Konzerns

Sonntag, 13. Juli 2008

Erste Reaktionen aus der Blogsphäre

Ich bin ja immer noch kein Virtuose, was das Bloggen angeht. Wie Trackback funktioniert habe ich noch nicht richtig verstanden und in diesem von Google betriebenen Blog ist das Feature aus irgend einem Grund eh nicht installiert.

Dennoch stelle ich erstaunt fest, das der "Hybride Konzern" schon sein Echo in der Blogsphäre gefunden hat. Initiert durch Retos Blog hat er seinen Weg zu
best-practice-business gefunden.

Die Reaktionen sind skeptisch positiv. "Schau`n wir mal, was die Zukunft uns bringt." ist der letzte Satz im Beitrag von Burkhard Schneider (Best-practice-business-blog). Das kann ich nur bekräftigen. Etwas verrückt und grössenwahnsinnig kommt mir das Projekt ja selber vor. Aber eben: Schau`n wir mal, was die Zukunft uns bringt.

Samstag, 12. Juli 2008

Der Name des Projektes

Unser Projekt, unsere Gruppe und mein Blog sind bisher unter einer vielzahl von Namen aufgetaucht: "Augenhöheprojekt", "Spinnerclub", "Projektonauten", Hybrider Konzern", "Fairwork", usw.

Es ist langsam Zeit, dem Projekt zumindest als Arbeitstitel einen guten Namen zu geben. Ich Sammle die Einsendungen namensgebung@fairwork.com bis 30.8. und werde mit der Auswahl der Besten eine Abstimmung durchführen. Der Einsenderin, dem Einsender mit dem gewählten Vorschlag, winkt in diesem Herbst eine Ferienwoche im Maderanertal.
Für Rang 2 und 3 gibt es eine Flasche Wein.

Formale Kriterien der Produkteentwicklung

Welche formalen Kriterien für die Produkteentwicklung sollen wir den IngenieurInnen und DesignerInnen stellen. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit einem guten Set von strukturellen Kriterien ohne inhaltliche Vorgaben zu überraschend Innovativen Produkten kommen werden.

Ich sehe im Moment folgende Kriterien:
  • Das Produkt soll sinnvoll sein. Hier entsteht schon durch den Einbezug der KäuferInnen in den Produkteentstehungsprozess eine gewisse Auswahl: Es wird immer wieder Abstimmungen darüber geben, welche Entwicklung von der Gemeinschaft gewünscht wird.
  • Das Produkt soll gewissen oekologischen Standards genügen. Wie diese genau formuliert werden oder von wo diese Standards übernommen werden können, ist eine offene Frage.
  • Das Produkt soll in relativ kleinen Werkstatten hergestellt - oder zumindest montiert - werden können.
  • Das Produkt soll von Design her höchsten Ansprüchen genügen.

Dividende der AktionärInnen

Im Rahmen der Statuten (Deutschland Satzung) stellt sich die Frage ob und wie den AktionärInnen eine Dividende ausbezahlt werden soll. Ich tendiere dazu eine Dividende in Form von eigenen Credits (ähnlich wie Coop - Supercard - Punkte) einzuführen. Wir würden dabei sozusagen nebenbei eine Paralellwährung für die Community entwicklen und die Aktien für KleinanlegerInnen, die auch KäuferInnen der Produkte oder Nutzer der Community sein werden, interessant machen. Für grössere institutionelle AnlegerInnen - falls wir solche wollen oder brauche - müsste man sich dann aber ev. eine andere Aktienart mit anderen Dividendenregelungen überlegen.

Detailfragen

Mit dem Label Fragen werde ich in Zukunft einzelne konkrete Detailfragen zu unserem Projekt in den Blog stellen. Ich hoffe, dass sich darauf Hinweise und Gespräche ergeben. Entweder direkt als Kommentare im Blog oder gerne auch im persönlichen Kontakt oder per Mail.

Montag, 7. Juli 2008

Der hybride Konzern

Ein hybrider Konzern ist so etwas wie ein Amphibienfahrzeug. Es ist in zwei verschiedenen Welten zu Hause. Es funktioniert im bestehenden Wirtschaftssystem, transportiert seine Passagiere jedoch sicher in eine wirtschaftliche Zukunft, in der lustvolles Teilen und kreative Kooperation wichtiger sein wird, als die Gewinnmaximierung Weniger auf Kosten Vieler.

Die Gespräche im Spinnerclub und ausserhalb haben unsere Ideen reifen lassen. Heute haben wir die eine erste Version unseres Konzeptes ins Netz gestellt.

Jetzt geht es darum dieses zu diskutieren, zu verbessern und vor allem erste Schritte in die Realisierung zu machen.

Es ist auch Zeit weitere Mitstreiter und Sponsoren zu suchen.

Montag, 26. Mai 2008

eBay plant Marktplatz für fair gehandelte Güter

Ich wollte gerade einen kurzen Beitrag darüber schreiben, was unser Projekt NICHT sein will. Ein Punkt aus dieser Aufzählung wäre: "ein eBay für fair gehandelte Güter"

Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens kennen wir ein gutes, glaubhaftes Projekt, das in Kooperation mit verschiedenen ebenfalls glaubhaften Organisationen eine solche Handelsplattform unter dem Namen faircustomer.ch plant. Wir unterstützen das und freuen uns auf den Moment, wo diese Plattform online geht.

Zweitens geht es uns um ein grösseres Anliegen: Wir wollen sinnvolle und nachhaltige Produktentwicklung, Produktion und Handel professionell organisieren und für uns als KonsumentInnen wie auch für uns als ProduzentInnen/ArbeitnehmerInnen transparent und fair gestalten. Das ist eine ziemlich grosse Herausforderung und genau das reizt uns an diesem Projekt.

Während ich also gerade an diesem Beitrag rumbastle, erfahre ich, über "heise online" das jetzt tatsächlich auch eBay auf den FairTrade-Zug aufspringt. Die Kommentare zum Artikel sind allerdings nicht sehr begeistert...

Wenn schon online einkaufen, würde ich das auf jeden Fall eher bei einer spezialisierten Plattform tun, die von engagierten und vertauenswürdigen Menschen betrieben wird. Bei faircustomer.ch eben, sobald sie online geht.

Sonntag, 11. Mai 2008

3, Spinnerclubtreffen

Der 3. Spinnerclub fand das erste mal in einer Arbeitsumgebung statt. Wir trafen uns in meiner Praxis, verpflegten uns am Buffet und standen, sassen und lagen um Flipcharts herum. Christoph und Billo konnte dieses mal leider nicht mitmachen. Dafür war Christian, Philipp und Barbara das erste mal dabei. Alex brachte seinen interessierten Sohn mit. Hier der Stand des Projektes nach diesem Treffen:

1. Start:
Wir sind uns einig, dass wir mit dem Projekt starten sollten, auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind. Die einzelnen Phasen für Gründung und Entwicklung werden weiter unten beschrieben.

Wir brauchen für diesen nächsten Schritt sinnvollerweise einen collaborative workspace für die weitere Koordination des Projektes. Die Funktionalität eines Blogs reicht dafür nicht mehr aus. Wo gibt es eine solche Plattform, die wir möglichst bald und mit akzeptierbarem Aufwand einrichten und nutzen könnten?

2. Rechtliche Grundstruktur:
Eine gute Governance ist die Basis unseres Projektes. Sie soll den ideellen Kern des Projektes nachhaltig verankern und auch ein stürmisches Wachstum verkraften.

Die formale Grundkonstruktion wird eine Kombination von Aktionegesellschaft für das Operative und eine Stiftung als Garantie für das Ideelle sein.

Eine wertvolle Aktiengesellschaft kann attraktiv werden für eine Übername von dritten oder auch von Begehehrlichkeiten von innen. Dadurch, dass alles Wertvolle: (Marke, Patente, Daten) nicht der Aktiengesellschaft gehört, sondern einer Stiftung, bleibt der AG das operative geschehen und das ist für eine Übername nicht interessant.

3. Aktiengesellschaft:
Es wird verschiedene Kategorien von Aktien geben:
  • NPO’s aus dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit, Fairer Handel, Oekologie, deren Ziele mit uns übereinstimmen, können Aktien mit dem 10-fachen Stimmrecht erwerben. Sie dienen als Garant der Grundidee.
  • „Normale“ Aktionäre erhalten Aktien mit einfachem Stimmrecht.
  • Aktionäre mit ökonomisch schlechteren Voraussetzungen und MitarbeiterInnen der Aktiengesellschaft erhalten Namenaktien mit normalem Stimmrecht aber zu einem reduzierten Preis.
Den AktionärInnen soll – sobald das wirtschaftlich möglich ist – eine angemessene Dividende (in Geld oder anderer Form) gewährt werden.

4. Stiftung:
Die Stiftung wird von einem Stiftungsrat verwaltet.

5. Stiftungszweck/Satzung:
Diese können nicht verändert werden und sollten daher so allgemeingültig formuliert werden, dass er den nötigen Wandel nicht behindert und trotzdem die Erhaltung der Grundidee garantiert.

6. Ausführungsbestimmungen:
Alle Statuten, die nicht in der Satzung verankert sind, können in Ausführungsbestimmungen formuliert werden. Diese können veränderbar seine.

7 Stiftungsrat:
Im Stiftungsrat sitzen idealerweise VertreterInnen aller relevanten Stakeholder.
  • VertreterInnen der Aktiengesellschaft
  • VertreterInnen der ProdukteentwicklerInnen
  • VertreterInnen der ProduzentInnen
  • VertreterInnen der HändlerInnen
  • VertreterInnen der KundInnen
8. Community-Plattform:
Um Entwicklung, Prodkution und Handel von sinnvollen, nachhaltigen und fair hergestellten und gehandelten Produkten zu ermöglichen braucht es einen Markt von einer gewissen Grösse. Diesen Markt schaffen wir mit einer Community-Plattform. Das erste Ziel der Aktiengesellschaft wird es sein eine gute Plattform zu entwickeln. Der Betreib der Plattform liegt bei der Aktiengesellschaft, das Programm und die Daten gehören jedoch der Stiftung. (siehe Punkt 2).

9. Einbindung möglichst vieler Mitgliedern:
Die Plattform kann verschiedenen NPO’s die ideell in unsere Richtung gehen und die noch keine eigene Kommunikationsplattform entwickelt haben angeboten werden. Der Vorteil für die Organisationen ist es:
  • Keinen eigenen Entwicklungs- und Wartungsaufwand
  • Keine Abhängigkeit von einem profitorientierten Unternehmen
  • Chance der grösseren Vernetzung über die eigene Institution hinaus
10. Einbindung von ProdukteentwicklerInnen:
Die Stiftung äufnet Gelder für die Entwicklung von sinnvollen Produkten. In Diskussionsforen der Community-Plattform gibt es Vorschläge für wünschenswerte nachhaltige Produkte. Die gesamte Community hat über Pools die Möglichkeit Projekte zu priorisieren und Entwicklungen mitzufinanzieren.

11. Einbindung von ProduzentInnen:
ProduzentInnen, die einen Vertrag mit einem Reglement für faire und nachhaltige Produktion mit der Aktiengesellschaft abschliessen, sind berechtigt die Produkte-Entwicklungen zu nutzen. Sie haben über die Community-Plattform Zugang zu interessierten Kunden, die schon die Entwicklung der Produkte gewünscht und ev. sogar finanziell unterstützt haben.

12. Einbindung von Handels- und VertriebspartnerInnen:
HändlerInnen, die einen Vertrag mit einem Reglement für faire Handel mit der Aktiengesellschaft abschliessen, sind berechtigt, die Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen. Sie erhalten Zugang den KonsumentInnen der Community-Plattform.

Freitag, 2. Mai 2008

Innovationsplattformen

Innovations-Plattformen schiessen im Moment wie Pilze aus dem Boden (oder biologisch genauer aus dem Mykorrhiza des WWW's). Da gibt es z.B.  openinnovation.ch. Diese Schweizer Plattform im Pilotbetrieb, verschenkt eifrig iPods und lockt 
InnovatorInnen mit Prämien von ein paar tausend Franken für Ideen, die vom anfragenden 
Unternehmen übernommen werden. Es sind dabei tatsächlich interessante Fragestellungen dabei. Zum Beispiel sucht WWF nach der besten Idee, wie private Bauherren zu überzeugen wären, sich vermehrt für ein Öko-Haus zu entscheiden.

Für ein Rätselraten in Blogosphäre hat Tchibo mit Tchibo ideas gesorgt. Die Plattform wurde 
von einer cleveren PR-Kampagne begleitet.

Ich frage mich, ob und wenn, wie lange diese Plattformen funktionieren. Bei Tchibo haben wir es auf jeden Fall mit "Werbung der 4. Art" zu tun. Da der Kaffeeröster sein Geld schon lange mit mehr oder weniger sinnlosen und/oder pfiffigen Produkten verdient, springt vielleicht sogar die eine oder andere Idee heraus, die sich zu Geld machen lässt. Gut gemacht ist das Teil auf jeden Fall und eine gelungene PR-Aktion ebenfalls. Es ist erfreulich zu sehen, das clevere Projekte manchmal ein besseres Marketing-Instrument sind als dröde Werbung.

Spannend wird es, wenn diesen Plattformen einmal eine Plattform gegenübersteht, in der die Ideen der InnovatorInnen nicht von einem Unternehmen ausgebeutet werden, sondern allen zu gute kommen. Eine Plattform, in der die  tatsächliche Arbeit  anständig bezahlt wird und Crowdsourcing vor allem zur Verbesserung der Ideen verwendet wird.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dort dann tatsächlich die "Kluge Köpfe unter sich" (Zitat Tchibo) sein werden. Auf jeden Fall zeigen all diese Initiativen, dass sich die Welt schwungvoll in eine Richtung bewegt, die wir für unser Projekt nutzen können.
 

Freitag, 28. März 2008

Open-Source Produkteentwicklung: Homebrew Mobile Phone Club

Produkteentwicklung und Design von Menschen für Menschen - unabhängig von der grossen Industrie - ist ein Traum und auch ein Bedürfniss. Eine Initiative die schon seit ein paar Jahren in diese Richtung geht ist der Homebrew Mobile Phone Club. Einen älteren Artikel dazu habe ich in Wired gefunden. Darauf gestossen bin ich über einen lesenswerten Artikel im Standard von heute:
"Doch während sich gemeinschaftliche Kreativität derzeit bei Computergames, Enzyklopädien oder wissenschaftlichen Theorien austobt, könnten in der nächsten Dekade auch Güter wie Kühlschränke, Autos oder Bereiche wie Bildung und Gesundheitswesen drankommen.

Schon jetzt entwickelt der US-amerikanische "Homebrew Mobile Phone Club" Open-Source-Handys. 2007 startete zudem in China "OpenMoko", ein Handy, dessen Software sich über eine Web-Community steuert. Je mehr Produkte kleine Computer sein werden, desto stärker wird der Einfluss der kollektiven Innovation sein."

Freitag, 29. Februar 2008

Erfolgreich dank glaubwürdigem Geschäftsmodell

Fussball ist Big Business. Einer der erfolgreichsten Clubs (FC-Barcelona) entzieht sich dieser Logik und ist ein gemeinnütziger Verein geblieben, der seinen Fans gehört. Auf Ihrem Trikot prangt das Logo von Unicef. Der FC-Barcelona sponsort das Kinderhilfswerk und stellt ihm die Werbefläche kostenlos zur Verfügung!

"Oberste Maxime eines Sportvereins ist nicht die Gewinnerzielung, sondern die Verfolgung sportlicher Ziele. Mitglieder, Fans und Sponsoren des FC Barcelona können also sicher sein, dass alle erzielten Erträge dem Sport zugute kommen. Demgegenüber müssen etwa die Anhänger und Sponsoren von Manchester United befürchten, dass die Eigentümer in erster Linie Profitziele verfolgen. Das rasante Umsatzwachstum des FC Barcelona an seinen englischen Konkurrenten vorbei deutet darauf hin, dass Fans und Sponsoren vielleicht doch lieber den Fussball und Unicef unterstützen als US-amerikanische Milliardäre. " Schrieb die NZZ am 22.06.07 dazu.

Der FC Barcelona liefert damit ein weiteres Beispiel, dass Erfolg haben, sinnvolle Ziele erreichen und faire Löhne bezahlen nicht zwangsläufig eine Kapitalgesellschaft benötigt. Glaubwürdigere Geschäftsmodelle sind sogar oft erfolgreicher.

Montag, 25. Februar 2008

Wahlfreiheit und Gestaltungsfreiheit

In der Doktorarbeit von Barbara Wenk finde ich eine interessante Passage: Die Museologin unterscheidet in ihrer Arbeit "Zur gegenwärtigen Praxis des Ausstellens von Technik am Mueseum" zwischen Wahlfreiheit und Gestaltungsfreiheit von MuseumsbesucherInnen. Die Wahlfreiheit setzt sie mit der Rolle von KonsumentInnen gleich. Als KonsumentInnen haben wir die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten. Das suggeriert Freiheit. Wie eingeschränkt diese jedoch durch die gebotenen Wahlmöglichkeiten ist und wie anders eine Freiheit aussieht, die in der aktiven Mitgestaltung liegt, gerät dabei schnell aus dem Blickfeld.

Es wird mir klar, warum mir bei unserem Projekt so wichtig ist, dass die Beteiligten zumindest von der Möglichkeit her zu ProsumerInnen werden können. Also zu Menschen, die eine wesentliche Spaltung unserer Zeit überwinden: Als KonsumentInnen leben wir in der Illusion der Freiheit. Als Beteiligte an den Produktionsprozessen sind wir jedoch den Zwängen und Systemen unseres Wirtschaftssystem ausgesetzt. Ein System in dem sich die Wenigsten von uns als Gestaltende erleben. Oft erzeugen wir durch unsere Wahlen als KonsumentInnen (möglichst preiswert, Dienstleistungen rund um die Uhr verfügbar usw.) sogar den Druck, unter dem wir dann als Angestellte oder FreiberuflerInnen leiden.

Sonntag, 24. Februar 2008

Zweites Spinnerclubtreffen

Unser zweite Club-Treffen fand am 24.1. in Zürich statt. Dabei waren Andreas, Christoph, Felix, Alex und ich. Das Essen war wieder exzellent.

Wir hatten diesmal 3 neue Teilnehmer. Drei TeilnehmerInnen vom letzen mal, ging der vorgeschlagene Termin nicht und Christian war immer noch in Brasilien.

Ich wünschte mir, dass wir an den Schnittstellen weiterarbeiten. Es zeigte sich aber, dass zwei Problemfelder im Vordergrund standen und der weiteren Diskussion bedurften.

- Wie sieht die Vision in seiner entgültigen Entfaltung aus?

- Wie sehen die kleinen ersten Schritte aus, die diese Entfaltung ermöglichen? Wo starten?

Diese grundsätzlichen Fragen wurden aufgeworfen, weil wir teilweise neue Leute waren und daher einige der bisher gemachten Schritte von der Gruppe nochmals nachvollzogen werden mussten. Der Spagat zwischen einer grossen Vision und – im Moment - sehr kleinen Ressourcen ist auch tatsächlich eine der aktuellen Problemstellungen unseres Projektes.

Die Frage kann auch anders gestellt werden: Wie muss der „Gencode“ des Projektes beschaffen sein? Es lohnt sich, intensiv darüber nachzudenken, bevor wir mit der Realisierung starten. Wir sehen im Moment viele gute Ideen von vielen verschiedenen Gruppierungen entstehen. Meist fliest schon bald viel Arbeit und Herzblut in solche Projekte. Ab einem gewissen Punkt kommen manche davon nicht mehr vom Fleck. Ein Grund dafür ist oft ein fehlerhafter „Gencode“, ein Systemfehler, der in der Pionierphase mit Enthusiasmus und Improvisationsgabe überspielt werden kann, später dann aber zum Stillstand des Projektes führt. Die „Verfassung“ die wir anstreben, sollte von Anfang an funktionieren und gleichzeitig einen mögliche stürmische Entwicklung verkraften können und auch im voll entfalteten Projekt funktionieren.

Drei Punkte haben wir dazu herausgearbeitet. Sie können in einem zeitlichen Ablauf gesehen werden.

Erstens: Ein Kernpunkt des Projektes ist für uns die Governance. Das Projekt darf nicht proprietär sein, oder anders ausgedrückt: Es soll allen wesentlichen Nutzergruppen gehören und über ein System von Regeln von diesen auch kontrolliert und verändert werden können. Ein grosses Problem bei allen Social Networks und Organisationen wie Amazon oder Ebay ist eben gerade, dass sich zwar alle beteiligen dürfen (Konten eröffnen, Beiträge oder Produkte einstellen usw.) Die Platformen selber aber einzelnen Menschen oder Gruppierungen gehören, deren Entscheidungen und Interessen für die grosse Gruppe der NutzerInnen nicht transparent sind und nicht beeinflusst werden können. Kommerzielle, manchmal jedoch auch Nonprofit-Projekte scheitern an diesem Punkt, wenn die Macht- und Einflussstrukturen nicht schon von Beginn an richtig aufgebaut und ausbalanciert sind.

Zweitens: Die Organisation soll Einnamen erwirtschaftet. Es braucht also ein Modul das Umsätze generiert. Da unsere Plattform ProduzentInnen einbinden will, sollte sie selber nicht als Produzentin auftreten. Sie kann aber am Umsatz der gehandelten Produkte beteiligt sein und Dienstleistungen anbieten, die entweder für ProduzentInnen, für KonsumentInnen, für EntwicklerInnen und für HändlerInnen und im besten Fall für alle diese Gruppen oder für die Kommunikation unter ihnen sinnvoll sind.

Drittens: Die Einnahmen aus den Umsätzen sollen eingesetzt werden, um denen, die Dienstleistungen erbringen faire Löhne zu bezahlen. (Das die angeschlossenen Produzenten Produkte mit einem sozialen Mehrwert anbieten und die KonsumentInnen bereit sind diesen Mehrwert auch zu bezahlen, versteht sich von selbst)

Die angestrebte Organisation ist also eine Platzform, die fairen Handel ermöglicht und möglichst viele ProduzentInnen, HändlerInnen, ProdukteentwicklerInnen und KonsumentInnen in ein faires und durchschaubares System einbindet. Anderseits aber auch ein Unternehmen, das Dienstleistungen erbringt, Umsatz generiert und ab einer gewissen Grösse mit seiner Finanzkraft auf wirtschaftliche Prozesse Einfluss nehmen kann. Dabei gehört es allen Nutzerinnen und wird über eine schlanke Verwaltung aber auch über ein cleveres Kommunikations- und Mitbestimmungssystem von der Basis aus kontrolliert.

Das tönt jetzt erst mal ziemlich abstrakt. Aber wenn wir von Strukturen und Funktionen reden, kommen wir nicht darum herum, uns auf eine gewisse Abstraktionsebene zu begeben.

Wir waren uns einig, dass die Vision in ihrer entfalteten Form möglichst konkret ausformuliert werden sollte; in einer Sprache, die bildhaft und allgemein verständlich ist. Eine Arbeit, die ich in den nächsten Wochen in Angriff nehmen werde. Einige Anregungen zu einem Gesamtbild sind schon in der aktuellen Internetpräsentation und diesem Blog enthalten.

Die Frage nach dem Startpunkt blieb in der Runde erst mal unbeantwortet. Aufbau einer Handelsplattform a la Ebay? Das macht im Moment unter anderen schon Faircustomer.ch. Mit einem einzelnen Produkt beginnen, das exemplarisch in einem Produzenten-Konsumente-Netzwerk entwickelt und vertrieben werden kann? Das macht unter andern schon Massschuh.de. Erst mal einfach den Community-Teil aufbauen? Internetgemeinschaften in denen sich Menschen „nur“ virtuell treffen und austauschen, gibt es wohl schon mehr als genug. Neu und interessant zum Beispiel Weltretter.org, weil sich diese Plattform über Aktivitäten und nicht einfach über Socializing definiert.

Mitte Februar in einem Gespräch mit Christian ging’s dann mit dieser Frage einen Schritt weiter: Warum nicht tatsächlich mit einem Community-Modul beginnen? Erstens gibt es – nach unserem Wissensstand – keine einzige Community-Platform, in der die Nutzer auch die Besitzer sind. Diese aufzubauen würde uns die Möglichkeit geben, erst mal in einem relativ kleinen Rahmen wertvolle Erfahrung in der Governance eines von Nutzern verwalteten Systems zu sammeln. Zweitens wären in so einer Plattform erste Dienstleistungen möglich, für die wir bereit wären, monatlich einen angemessenen Betrag zu bezahlen. Christian und ich haben dazu gleich mal ad hoc eine Anzahl realisierbarer Funktionen zusammengetragen, die wir uns von einer solchen Plattform wünschen wurden und die uns bei allen bestehenden Anbietern fehlen. Zum Beispiel die Möglichkeit alle eigenen Kontakte und nicht nur diejenigen, die auch auf der Plattform angemeldet sind zu verwalten oder auch eine abslolut spamfreie EMail-Lösung. Das Geld das über eine solche Dienstleistung in die Kasse gelangen würde, könnte in die Weiterentwicklung der gemeinsamen Vision fliessen.

Wen die Governance im kleineren Rahmen gut funktioniert, können wir weitere Module entwickeln, oder bestehende Initiativen, die den gleichen ideellen Zielen verpflichtet sind, einbinden.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Produktetransparenz dank Internet

Glasnost im Glas Most

Wenn eine Idee folgerichtig ist, gibt es viele Initiativen, die in eine ähnliche Richtung gehen und in ihrem Teilbereich auch schon viel weiter sind als zum Beispiel unser "Spinnerclub".

Daher werde ich immer wieder auf Projekte hingewiesen. Das ist ein gutes Beispiel für Crowdsourcing. Wir müssen nicht alles selber recherchieren, viele interessante Kontakte, werden an uns herangetragen.

Hier also mal herzlichen Dank für all die Hinweise, Links und Ideen, die uns aus aller Welt zufliegen.

Zwei initiativen, die sich mit der Transparenz von Konsumgütern beschäftigen, möchte ich heute kurz vorstellen:

http://www.codecheck.ch/ sammelt Informationen über Produkte. Zugänglich sind sie über den Barcode. In Zukunft kann so das Handy mit Fotofunktion zu einem Scanner werden, über den direkt im Laden herstellerunabhängige Informationen über Produkte abrufbar sind.

http://www.natureandmore.com/ ist im Dezember 2004 entstanden als ein System zur Qualitätssicherung der Firma Eosta, einem niederländischen Händler für frisches Obst und Gemüse aus biologischem und biologische-dynamischem Anbau. Bereits in der kurzen Zeit seit der Gründung konnte Nature & More mit fünf führenden Unternehmen aus dem Bereich des kontrolliert biologischen Anbaus Verträge abschließen. Die Zahl der weltweit betreuten und bewerteten Anbauer wächst ständig. Hier ist es nicht der Barcode, sondern einen eigene 4-stellige Nummer auf der Verpackung, die den Zugriff auf viel Hintergrundinformation erlaubt.

Montag, 21. Januar 2008

Social Entrepreneurship geschieht in Netzwerken

Ein Artikel in der WOZ vom 10.01.2008 über die Remei AG zeigt exemplarisch, wie soziales und nachhaltiges Wirtschaften möglich ist und das es in sozialen Netzwerken geschieht.

Es zeigt auch, dass der Aufbau dieser Netze oft Knochenarbeit ist. Es braucht jahrelange Überzeugungsarbeit um eine gute Idee in den Köpfen von genügend Menschen zu verankern und die Arbeit dieser Menschen in wirtschaftlich funktionierenden Netzwerken zu verknüpfen.

Apropos Soziale Netzwerke: Ob und wenn ja, wie webbasierte "Social Networks" bei solchen Prozessen helfen können wird Ansatzweise im Blog Nachhaltig Beobachtet diskutiert

Mittwoch, 16. Januar 2008

Team - AG

Dieses Projekt zielt nicht ganz in die gleiche Richtung und ist trotzdem vom Geist her verwandt mit den Projektonauten - Vor allem da es teilweise von den gleichen Personen stammt ;-)

Mehr zum Hintergrund in einem Interview mit den Initianten.

Freitag, 4. Januar 2008

The Story of Stuff

Ein kurzes Video, das zeigt, wo unser "Zeugs" herkommt und wo es hingeht.

Nicht, dass wir das nicht schon alles wüssten. Aber es ist sehr gut zusammengefasst und sehr einfach und verständlich dargestellt.

(in Englisch und mit Daten die teilweise auf die USA bezogen sind)

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Die Tatsachen

Um unsere Spielwiese genauer einzugrenzen und dem Vorwurf, wir seien einfach „a bisserl naiv“ entgegenzuwirken, möchte ich hier eine Liste von Tatsachen zur Diskussion stellen, mit denen wir bei unserer kniffligen Aufgabenstellung rechnen müssen. Ergänzungen sind natürlich willkommen. Du bist auch zur kritischen Nachprüfung eingeladen,, ob es sich bei erwähnten Punkten tatsächlich um Tatsachen und nicht eher um hartnäckige(vor-) Urteile handelt. Schliesslich kannst du auch clevere Ideen oder gute Praxisbeispiele hinterlegen, die zu einer Lösung beitragen können.

Erste unvollständige Liste:
  1. Professionelle Entwicklung, Einkauf und Marketing übernehmen in einer funktionieren Organisation eine wichtige Übersetzungsarbeit zwischen ProduzentInnen und KundInnen. Das kann nicht einfach über durch eine Plattform ersetzt werden
  2. Internetplattformen ohne persönliches Beziehungsnetz, reale Begegnungsmöglichkeiten und gemeinsame konkrete Interessen funktionieren nicht.
  3. Ein System, dass unserer Vision entspricht muss ein gewisses Volumen entwickeln um rentabel zu sein. Es braucht daher ziemlich viel Kapital in der ersten Phase.
  4. Je grosser eine Organisation ist, um so schwerfälliger und undemokratischer wird sie normalerweise.
  5. Wenn die Governance bei allen Stakeholdern bleiben soll, werden diese InvestorInnen nicht bei „normalen“ Venture-capitalists zu finden sein.
  6. Das System muss auch ausserhalb des Internets sichtbar sein und Menschen, die keine Computer-Kids sind über verschieden Formen von Assistenz Zugang ermöglichen. Die Internet-Freaks können jedoch bei der Entwicklung und Verbreitung eine wichtige Rolle spielen.
  7. Von den Produkten, die sich auf den ersten Blick für unserer System eignen (Textilien, Kaffee usw) gibt es schon gute Lösungen im Fairtrade-Bereich.
  8. Jedes Produkt muss neu betrachtet werden. Es gibt in der Entwicklung, der Produktion und in der Logistik oft wenig Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen denkbaren Produktegruppen. Das Bilden von zuverlässigen Kompetenz- Clustern ist daher ev. aufwändig und kostspielig.
  9. Fairtrade ist ein schwer zu fassender Begriff und stellt hohe Anforderungen an Information, Kommunikation und Kontrolle.
  10. Menschen sind grundsätzlich träge. Eine genügen grosse Gruppe muss sich aber schon früh bewegen, damit ein Markt entsteht.
(Liste bitte ergänzen)

Mittwoch, 19. Dezember 2007

„Cropster.org“ bringt Kaffeebauern bessere Vermarktungschancen

„Internet kann Kaffeebauern zu besseren Produkten und Chancen am Markt helfen. Cropster.org eine von österreichischen Entwicklern betriebene neue Online-Plattform soll dazu beitragen“, berichtet der Standard vom 19.12.07

Cropster ist eine Drehscheibe zwischen Kaffeebäuerinnen und Bauern, Zwischenhandel und Röstereien. Die Plattform macht den Markt transparent und gibt den ProduzentInnen dadurch die Möglichkeit zum Planen und bessere Preise zu erzielen.

Das Problem mit dem Umgang der Technologie in den Ländern des Südens hat sich den drei Entwicklern auch gestellt. Computer oder PDA zur Dateneingabe seien für die meisten Bäuerinnen und Bauern zu komplex. Handy und SMS hingegen inzwischen weit verbreitet. Martin Wiesbauer vom Entwicklerteam sagt: “Es gibt Gegenden, die kein Wasser und keinen Strom, aber Mobilfunk haben“ Die Online-Eingaben erfolgen dann bei den Genossenschaften, die sowohl über Internet als auch qualifizierte Leute verfügen.

Cropster ist übrigens eins der Projekte, die im Rahmen der net culture lab unterstützt wurde. In Wien und Dornbirn bietet dieses jungen EntwicklerInnen eine Art Innovationsbüro mit der nötigen Infrastruktur.